Podiumsdiskussion zum Kauf des ehemaligen Landis&Gyr-Gebäudes

Bild Stadt Zug

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Pro-Argumente überzeugten
Rund hundert interessierte Zugerinnen und Zuger fanden trotz heissen Temperaturen und nahendem Gewitter den Weg ins Theater Casino. Unter der Leitung von Freddy Trütsch, Redaktor Neue Zuger Zeitung, diskutierten je drei Mitglieder des Pro-Komitees (Philip C. Brunner, Urs Bertschi, Othmar Keiser) und des Gegnerkomitees (Sandra Barmettler, Andreas Kleeb, Ulrich Bollmann) angeregt über den Kauf der Liegenschaft an der Gubelstrasse 22. Am 9. September 2012 entscheidet das Volk.

Stadtrat Ivo Romer erläuterte das Geschäft. Er betonte, dass der Erwerb der Liegenschaft Gubelstrasse 22 eine einmalige Möglichkeit für die Stadt Zug sei, um die Stadtverwaltung an einem historisch wertvollen Standort zusammenzuführen. Die Zentralisierung führe zu Kostensenkungen. Durch die Umnutzung der bestehenden Verwaltungsbauten könnten die jährlichen Bewirtschaftungskosten um 0.75 Mio. CHF gesenkt werden. Auch würden Kosten von Zumieten für 150’000 CHF sowie einmalige Sanierungskosten für das Haus Zentrum von rund 12 Mio. CHF wegfallen. Und schliesslich generiere die Drittvermietung der Gubelstrasse 22 jährlich zusätzliche Erträge. «Das Gebäude ist in einem guten Zustand; seit 1997 sind 8 Mio. CHF in das Gebäude investiert worden.»

«Für die Mitglieder des Gegnerkomitees geht die Stadt Zug mit dem Kauf der Gubelstrasse 22 ein zu hohes finanzielles und strategisches Risiko ein. Der Kaufpreis ist überhöht, die Folgekosten und die Auswirkungen auf den Steuerfuss sind nicht klar», führte Sandra Barmettler, FDP-Gemeinderätin, aus. Unklar sei auch, wie viel bei einer Zentralisierung der Stadtverwaltung tatsächlich eingespart werden könne.

Andreas Kleeb bemängelte den grossen Zeitdruck, wodurch eine sachgerechte Prüfung nicht möglich gewesen sei. «Ich vertrete die Interessen der Wirtschaft und anerkenne die Leistungen der Siemens für die Stadt Zug. Im vorliegenden Geschäft vertrete ich jedoch die Interessen der Zuger Bevölkerung. Darum kann ich dem Kauf des ehemaligen Landis&Gyr-Gebäudes nicht zustimmen.»

Ulrich Bollmann: «Mit diesem Kauf wirft der Stadtrat seine Immobilienstrategie total über den Haufen. Wir geben Geld aus, das wir gar nicht besitzen.» Er sei nicht gegen eine Zentralisierung der Stadtverwaltung. Es müssten jedoch auch Alternativen in Betracht gezogen werden. «Momentan besteht ein Überangebot an Büroflächen. Eine Alternative wäre auch ein Neubau.»

Für Philip C. Brunner, SVP, Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Gemeinderates, war die Arbeit des Stadtrates in diesem Geschäft hervorragend. «Die Zusammenarbeit zwischen Stadtrat, Kommissionen und Parlament hat bestens funktioniert. Ich kann Ihnen versichern, dass wir das Geschäft ganz seriös geprüft haben», so Brunner. Für Brunner ist es eine Verschleuderung von Steuergeldern, wenn der Kauf nicht getätigt wird.

Für Urs Bertschi, SP, Präsident der Bau- und Planungskommission, besticht das Gebäude durch seine gute Lage, die durch den Stadttunnel in den nächsten Jahren zusätzlich aufgewertet wird. «Die Siemens hat das Gebäude perfekt à jour gehalten. Wenn ich persönlich das Geld hätte, würde ich es sofort in das Gebäude investieren. Der Preis von 12’000 CHF pro Quadratmeter ist für Zuger Verhältnisse äusserst fair.»

Othmar Keiser, CVP, sieht kein Problem in der Fremdfinanzierung. «Das Haus ist selbsttragend, von Beginn an können die Kosten amortisiert werden. Im besten Fall ‚wohnt’ die Stadtverwaltung dort gratis.» Es seien daher auch keine Steuererhöhungen zu befürchten. Die Nachnutzung müsse aber auf jeden Fall definiert werden, bis Ende 2013 werde der Stadtrat dem Grossen Gemeinderat ein entsprechendes Konzept unterbreiten.

Aus dem Publikum waren Stimmen für und gegen das Geschäft zu hören. Zum Vorwurf, mit dem Kauf würden die vom Stadtrat propagierten Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft nicht eingehalten, führte Stadtrat Andreas Bosshard aus: «Es trifft zu, dass dieses Gebäude keinen Minergie-Standard aufweist. Die meisten heutigen Verwaltungsgebäude erfüllen diese Anforderungen auch nicht. Mit dem Kauf kann der Energieverbrauch der Verwaltungsgebäude gegenüber heute auf 40 Prozent verringert werden.»

Stadtpräsident Dolfi Müller fügte zum Schluss an: «Diese Chance müssen wir packen. Wenn wir nichts gemacht hätten, wären wir die Schlafmützen der Nation gewesen. Es war beeindruckend, wie der Grosse Gemeinderat und die Kommissionen das Geschäft unterstützt haben. Ein Neubau auf der grünen Wiese wäre viel teuerer.» Weiter weist er auf den symbolischen Wert des ehemaligen Landis&Gyr-Gebäudes: «Der Kauf des Gebäudes ist auch eine Referenz an die Industrie-Geschichte der Stadt Zug. Landis&Gyr steht für das Erfolgsmodell Zug: Flexibel sein, Mut haben und anpacken.»

Die Podiumsdikussion war für viele eine gute Gelegenheit, sich über die Abstimmungsvorlage vom 9. September 2012 zu informieren. Wie in Gesprächen beim anschliessenden Apéro zu hören war, vermochten insgesamt die Argumente des Pro-Komitees besser zu überzeugen.

Hinweis: Am nächsten Samstag, den 25. August 2012, kann die Zuger Bevölkerung von 10 bis 12 Uhr das ehemalige Landis&Gyr-Gebäude an der Gubelstrasse 22 (Eingang Seite Dammstrasse) besichtigen.

Zug, 20. August 2012
Lucia Bolli, Praktikantin Kommunikation Stadt Zug

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