Offener Brief an den Gemeinderat Baar

Offener Brief an den Gemeinderat Baar
Glencore Xstrata – eine volkswirtschaftliche Perle
Baar, 26. August 2013

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident
Sehr geehrte Damen Gemeinderätinnen
Sehr geehrte Herren Gemeinderäte

Im Bericht der Neuen Zuger Zeitung (Do, 22.8.2013) „Ein Affront gegenüber Gewerbe
und Bevölkerung“, nimmt Manuel Frey, Leiter der Abteilung Finanzen der
Gemeindeverwaltung Baar öffentlich zu Glencore Xstrata Stellung. Die Alternative – die
Grünen Baar sind über die Aussagen von Manuel Frey höchst erstaunt und bitten den
Gemeinderat dazu Stellung zu beziehen.

Im erwähnten Bericht schildert Ernst Meier von der Neuen Zuger Zeitung die Situation um
Glencore Xstrata, die für das Jahr 2012 keine Gewinnsteuern bezahlen muss, weil ein grosser
Betrag buchhalterisch abgeschrieben werden konnte. Die Alternative – die Grünen Baar wird
sich vehement dafür einsetzen, dass die Gesetze so angepasst werden, dass sich ein
internationaler Rohstoffgigant nicht mehr vor dem Fiskus drücken kann.

Ebenso stossend ist, dass Glencore Xstrata eine Steuergutschrift von 163 Millionen Dollar
erhält und dass gleichzeitig den grossen Aktionären eine Dividende in von über 100 Millionen
Dollar ausgeschüttet wird (NZZ am Sonntag vom 25. August). Der kleine Steuerzahler bezahlt
letztlich die Ausschüttung an die Glencore Xstrata-Spitze. Das ist schlicht Abzockerei. Wie
steht der Gemeinderat zu diesen Steuerpraktiken?

Eine volkswirtschaftliche Perle
Diese Aussage, Glencore Xstrata sei eine volkswirtschaftliche Perle erstaunt uns sehr und
zwar gleich in vielerlei Hinsichten. Einerseits ist uns absolut unklar, wieso Glencore Xstrata
eine volkswirtschaftliche Perle für Zug und die Schweiz sein soll. Der Rohstoffgigant bezahlt
keine Steuern und ist auch kein grosser Arbeitgeber in der Schweiz. Die Topverdiener sind
oftmals zugezogene Expats, welche im Kanton Zug oder in der Schweiz nicht längerfristig
wohnen. Sie beziehen höchstens die überteuerten Wohnungen in unserem Kanton, unserer
Gemeinde und verdrängen den einfachen Arbeiter und die einfache Arbeiterin mit ihren
Familien in die Grenzkantone. Zudem ist es sehr kurzsichtig, in einer globalisierten und
vernetzten Welt, die Volkswirtschaft nur auf den Kanton Zug zu beziehen. Schliesslich preisen
wir uns immer als internationalen Standort an, wir sollten uns in allen Hinsichten so
positionieren.

Die Perle mit viel Blut an den Händen
Absolut absurd ist die unkritische Haltung von Manuel Frey gegenüber dem Rohstoffgiganten.
Erst vor kurzem waren am Anlass „Von Alu bis Zink: Die Rohstoffbranche im Kanton Zug
zwischen Profit und Verantwortung“ in Kappel am Albis sowohl der Gemeindepräsident als
auch der Gemeindeschreiber anwesend. Die Kritik- und Anklagepunkte betreffend
gewalttätigen Auseinandersetzungen, miserablen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung der
Natur würden Seiten füllen. Wir wollen uns aber die Mühe machen, einige Punkte noch
einmal aufzulisten.

• Demokratische Republik Kongo: Die kirchlichen Hilfswerke „Fastenopfer“ und „Brot für
Alle“ veröffentlichen eine Studie zu den prekären Abbaubedingungen einer Kupfermine
im Kongo. Nebst Kinderarbeit, entsprechen die Arbeitsbedingungen sklavenartigen
Zuständen und die Umwelt wird langfristig zerstört. Dazu werden auch die Steuern für
den Rohstoffabbau auf ein Minimum reduziert und über Korruption gezielt am Volk
vorbei geschmuggelt.

• Mopani, Sambia: Der Mopani Copper Mines, welche zu 73% der Firma Glencore Xstrata
gehört, wird massive Umweltzerstörung vorgeworfen. Zudem sollen auch hier Steuern
hinterzogen werden. Über die Mine existiert ein Dokumentarfilm.

• Rustenberg, Südarfrika: Bei einem Streik für eine Minimallohnerhöhung wurden im
August 2012 34 Mineure von der Polizei erschossen. Die Miene gehört der Firma
Lonmin, dessen grösster Stakeholder damals Xstrata, heute Glencore Xstrata ist.

• Tampakan, Philippinnen: Eine Tochterfirma von Glencore Xstrata plant eine riesige
Kupfermine. Dazu sollen rund 5000 Menschen zwangsumgesiedelt werden (1/4 der
Baarer Bevölkerung). Zudem gefährdet die Mine die Wasserversorgung von
Zehntausenden. Nur dank des Drucks der ansässigen Bevölkerung und von kirchlichen
Hilfswerken in der Schweiz gab Glencore Xstrata Mitte August 2013 bekannt, das
Minenprojekt zu „bremsen“.

• Südamerika: Auch in Kolumbien, Peru und Bolivien wird Glencore Xstrata für die
Zerstörung der Umwelt, miserable Arbeitsbedingungen, sowie gezielte Morde von
Gewerkschaftlern mitverantwortlich gemacht.

Vor diesem Hintergrund ist die Alternative – die Grünen Baar empört über die Aussagen von
Manuel Frey und bittet den Gemeinderat um eine Stellungnahme. Der Ausdruck „Perle“ darf
nach unserer Meinung nur verwendet werden, wenn es keine Leidtragenden gibt. Das ist bei
der Firma Glencore Xstrata in keiner Weise der Fall. Es ist zu hoffen, dass sich der
Gemeinderat weiterhin mit der Kritik an Glencore Xstrata befasst und diese nicht einfach
ignoriert. Eine interne Information zur Sensibilisierung der Verwaltungsangestellten ist
wünschenswert.

Die Alternative – die Grünen wartet gespannt auf die Antwort des Gemeinderates und verbleibt
mit freundlichen Grüssen.

Im Namen der Alternative – die Grünen Baar

Andreas Lustenberger
Vorstand Alternative – die Grünen Baar

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