Zwei Zuger Nationalräte im Abseits

Schutz von Frauen und Ungeborenen

Diese Woche sagte der Ständerat mit 34:4 Nein zur Initiative aus dem Umfeld fundamentalistisch-religiöser Abtreibungsgegner zu. Diese verlangt, dass Abtreibungen sowie die dazu gehörenden obligatorischen und wirksamen Beratungen nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden. Thomas Aeschi und Gerhard Pfister stimmten im Frühjahr der Initiative zu. Sparen konnte dabei kein Argument sein, handelt es sich nur um jährlich 8 Millionen Franken. Es geht um ein veraltetes Frauen- und Weltbild sowie um einen Angriff auf die vom Volk 2002 mit 72% klar angenommene Fristenregelung zum Schutze von Frauen und Ungeborenen. Damals wurde der Versicherungsschutz bei Abtreibungen bestätigt – dieser besteht nämlich schon seit 1981. 2002 wurde auch die Abtreibungsverbotsinitiative mit 81,7% abgelehnt. Gemäss neuer Initiative müssten Frauen Beratungen und Eingriff künftig selber zahlen. Betroffen wären vor allem finanziell schlechter gestellt Frauen, die ohne Beratung eher abtreiben und dann allenfalls zu billigen Kurpfuschern getrieben würden.

Seit der Einführung der Fristenregelung im 2002 ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche stabil und bei 15- bis 19-Jährigen stark rückläufig (im 2012 0,45 %; 2002 waren es noch 0,6%). Die Schweiz hat europaweit die tiefsten Abbruch-Zahlen. Wollen Aeschi und Pfister wirklich das Rad der Zeit zurückdrehen?  Gegen die Initiative sind nicht nur Ständerat, auch der Nationalrat (130:29 Nein) sowie der evangelische Kirchenbund SEK. Die katholischen Bischöfe der Schweiz stimmen auch nicht zu. Ich bin überzeugt, auch die Zuger Bevölkerung wird die Initiative an der Urne ablehnen.

Stefan Gisler, Kantonsrat Alternative-Die Grünen, Zug

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